Südfünens Geschichte

Südfünen hat viel Geschichtliches zu bieten. Hier gibt es lang zurückreichende Traditionen für Handel und Schifffahrt und viele kulturelle Zeugnisse. Davon zeugen auch vorzeitliche Funde, die in einem modernen Museum zu besichtigen sind.
Montag, Dezember 3, 2012
Der südliche Teil der Insel Fünen ist schon seit über 10 000 Jahren von Menschen bewohnt. Die frühesten Siedlungen, die nach der letzten Eiszeit entstanden, sind heute von Wasser bedeckt. Die Zeugen der Jungsteinzeit jedoch, die aus Langdolmen
und Ganggräbern bestehen und sich mit bronzezeitlichen Grabhügeln abwechseln, gegen Einblicke in das Leben vor etwa 6000 Jahren. Im Bereich Gl. Hestehave erheben sich auffallend viele Grabhügel. Die Ausstellung vorzeitlicher Fundstücke
auf dem Gut Broholm ist etwas für alle, die sich für die Jungsteinzeit interessieren. Während der Eisenzeit war Südfünen ein bedeutendes Machtzentrum, und hier befand sich zu jener Zeit eine der größten Siedlungen Skandinaviens. Zeugnis davon legt die Gudmekongens Hal ab, deren Umrisse man von der hier errichteten Aussichtsplattform bewundern kann. Der jüngste Fund (Herbst 2010) war ein Halsring aus Gold (140 g), der neben dem markierten Gelände ausgegraben wurde. Er wurde zur Begutachtung an das dänische Nationalmuseum geschickt, doch hofft man, dass er nach Svendborg zurückkehrt, um im Museum ausgestellt zu werden.
 
Bei Lundeborg befand sich seinerzeit ein bedeutender Handelsplatz. Hier fanden Archäologen römische Luxusgegenstände, Silbermünzen und Schmuckstücke. Diese Gegend gehörte zu den reichsten in Dänemark, was die zahlreichen goldenen Fundstücke belegen. Der größte Fund ist der sogenannte Broholm-Skat, der 4,5 kg wog. Da er sich heute im dänischen Nationalmuseum befindet, bekommt man in der hiesigen Ausstellung Kopien zu sehen. Andere Funde aus dieser Zeit sind im Anwesen Anne Hvides Gård zu sehen, das zum Svendborg Museum gehört. Wo heute Svendborg liegt, befand sich zumindest seit der Steinzeit eine Siedlung. In einem Brief von 1229 wurde der Ort erstmals als Swineburgh erwähnt. Darin schenkte der dänische König Valdemar Sejr seiner Schwiegertochter Eleonora den Südteil der Insel. Der Name leitet sich wahrscheinlich von der Tatsache ab, dass sich im Sund viele Schweinswale aufhielten.

Da St. Nikolaus der Schutzpatron der Seeleute ist, bekam Svendborg zu Beginn des 13. Jh. – wie so viele andere Hafenstädte – eine Kirche mit dem Namen Sct. Nicolai. Auch wenn es nicht mehr den Anschein hat, befand sich die Kirche einst auf einerAnhöhe, die durch die anwachsende Stadt mehr und mehr „verschwand“. Die Sct. Nicolai Kirke entstand in mehreren Bauabschnitten. Viele Anregungen für die stilistische Ausgestaltung stammen von anderen Kirchen aus Hafenstädten im Ostseeraum, mit denen Svendborg regen Handel betrieb. In der Stadt gab man sich auch damals schon weltoffen. In Svendborg gibt es noch zwei weitere mittelalterliche Kirchen. Eine davon ist Vor Frue Kirke im Stadtzentrum, deren Turm schon von weitem zu sehen ist. Von dort erklingt ein hörenswertes Glockenspiel zu jeder vollen Stunde. Unter der Brücke Svendborgsundbroen, am Wanderweg Øhavsstien, steht die Sct. Jørgens Kirke. Sie wurde zusammen mit dem gleichnamigen Hospital außerhalb der Stadt für Aussätzige errichtet und diente diesem Zweck lange Jahre hindurch.

Der von hier stammende Seeheld Niels Juel erwarb sich im 17. Jahrhundert großen Ruhm, als unter seinem Kommando die überlegene schwedische Flotte in der Bucht von Køge (1677) besiegt wurde. Als Belohnung erhielt er u. a. das Schloss Valdemars Slot auf der Insel Tåsinge. Im Jahre 1639 ließ es Christian IV für seinen Sohn Valdemar Christian bauen. Während des Zweiten Nordischen Krieges war es jedoch zeitweise besetzt und danach in einem solch heruntergekommenen Zustand,
dass Niels Juel es umfassend renovieren lassen musste. Caroline Fleming, die jetzige Schlossbesitzerin ist eine Nachfahrin von Niels Juel. Während des 18. Jh. blühte der Handel dankt der Tüchtigkeit der hiesigen Kaufleute auf. Die im 17. und 18. Jh.
entstandenen Fachwerkhäuser sind noch immer in den Straßen und am Hafen zu sehen. Einer der landesweit ältesten Handelshöfe (geb. 1744) am Hafen beherbergt heute u. a. ein Wassersportgeschäft und ein Kunstatelier. Um das Jahr 1800 nahm die Schiffbautätigkeit zu, und Svendborg wurde allmählich zu einem Standort, wo die meisten dänischen Schiffe entstanden. Heute ist die Ring Andersens Træskibsværft auf der Insel Frederiks-øen die älteste Werft, auf der noch immer Holzschiffe überholt werden.

Im Jahre 1904 gründete A.P. Møller die Reederei Dampskibsselskabet Svendborg, die heute unter dem Namen A.P. Møller-Mærsk bekannt ist. Die Familie Møller stammt aus Svendborg, und im Jahre 2001 wurde Mærsk McKinney Møller Ehrenbürger
der Stadt, als Dank für seine Verdienste um Svendborg und sein Umland. Damit wurde er der 4. Ehrenbürger der Stadt, eine Auszeichnung, die 1901 schon Graf Brockenhuus Schack (Statue am Gerichtsgebäude), 1936 dem Schriftsteller Johannes Jørgensen (Gedenkstube in der Straße Fruestræde) und 1970 dem Schriftsteller Tom Kristensen (begraben auf dem Friedhof Thurø Kirkegård) zuteil wurde.

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